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SOMMERVERSE von Barbara Schleth

DIE HITZE
sie gleißt
kriecht unter röcke
fische japsen
worte flieh’ n
auf papierschiffen
ins kühle nass
fließen
in blassblauer schrift
von mir zu dir
zu euch zu ihr
auf’s papier


DER TAG
scheint endlos
er ringt der nacht
die stunden ab
die in keinem uhrwerk zu finden
wie selbst erdacht
verlängert in einen sanftmütigen abend haarscharf
die fledermaus
über unseren köpfen

LAUSCHEN
auf das ungesagte
das verschwiegene
das weiche
es öffnet dir tor
und tür

KNOSPENMUND
unscharf pastell
der knospenmund
erste blüten
grüne spitzen
schauen durchs fenster

DEN RÄUMEN
den mauern
entkommen
zwischen
hahnenfuß
und sumpfdotter
im schatten
wähle ich
das luftschloß
das dach zum
himmel geöffnet

HOHE ZEIT
im vogelflug
hitze flirrt
sommer
in hellblau
wenn der wind
den lindenduft
auf die loggia treibt
sehe ich wieder den kirschbaum
in ihrem garten
„Im Herz, im Bauch, im Juli“

ABSCHIEDSWORT

kein ende
der wind weht
wo er will
lau oder wild
möge er dich durch den sommer leiten:
mit irischem segen
bunten segeln
und einer frischen brise
im gesicht

Barbara Schleth und Barbara Rossi organisieren Lesungen und "Lyrische Spaziergänge". Anfragen für Lesungen und Stadtspaziergänge in Lübeck, Bad Oldesloe und Hamburg unter bschleth@icloud.com oder post@barbararossi.de


VERSE von Barbara Rossi

TEIL 1

(Einleitung)

Vergiss
Deine Grenzen
Wandre aus
Das Niemandsland
Unendlich
Nimmt dich auf

Rose Ausländer, aus dem Gedicht "Unendlich"

1.
Die letzten Sommer
die ich erwarte
kopiere ich Polaroids
vergangener Tage
und doch mit neuem Blick

2.
In die nächste Rinde
wachsen
vorhanden zeigt sich die Maserung

meine Wurzeln
reichen tief
und ich träume mich an jedem Ort

3.
Der Riesen Stein
versperrt mir die Sicht
wer sagt denn
dass ich nicht springen kann
ins erste Mal

4.
Im Kaffee
Die Siebenmeilenstiefel
Im T-Shirt
Das unbekannte
An der Haustür
Ein kurzes Innehalten
Wo will ich hin?

Barbara Rossi wohnt in Hamburg und arbeitete als Redakteurin für die „eXperimenta“, dem Magazin für Kunst und Gesellschaft.
Sie ist Jurymitglied der „Gruppe 48“ und bildet ehrenamtliche Begleiter in Hospizen zum Thema „Kreativ der Trauer begegnen“ aus. Sie schreibt Lyrik und Prosa und ist in verschiedenen Anthologien mit ihren Arbeiten vertreten. Zuletzt erschien mit anderen im Selbstverlag bei tredition „Die Erbinnen“ und in der edition maya 2024 "Ich liebe die Tage", lyrische Prosa zusammen mit Barbara Schleth.

TEIL 2
1.
Als das Wünschen noch täglich war,
und die Tage unendlich und unergründlich
vor einem lagen.

Ein Fahrrad, ein Stofftier, eine Skihose
Der Abschluss,
und auch, mir steht die Welt offen,
Familie mit zweien
Und heute: Weltfrieden

2.
Erscheinen meine Wünsche
noch verdeckt
als wäre alles gesagt und getan
bestritten und ernst
fein geschichtet
all das Liebliche mit
feiner Nase
ins Wasser gestupst
und nicht wieder aufgetaucht


3.
Neben dem unvollständigen Licht
Tagen aus Glas
mit muschelförmigen Streusand
in kurzen Abständen ein Ruf
die Körperränder atmen den Wolken entgegen strecken die Hälse und Finger
und Hände in die Tiefsee
bestritten und ernst
neben dem unvollständigen Licht
Worüber niemand sprechen will